Palästina Info

Ausgabe Winter 2025

Trotz des vorgeblichen Waffenstillstands im Gazastreifen gehen der genozidale Krieg und die systematische Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung weiter. Ein ernsthafter Wille, die begangenen Kriegsverbrechen und andauernden massiven Menschenrechtsverletzungen aufzuarbeiten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, ist bislang nicht erkennbar. Kritik an Israel, der auch Taten folgen – Fehlanzeige. Der sogenannte «Friedensplan» basiert auf den mit Israel abgesprochenen außenpolitischen Prioritäten von Donald Trump und entstand unter kräftiger Mitwirkung arabischer Staaten. Sie und auch viele weitere Länder sollen zur Umsetzung des Plans vor Ort beitragen.

Auch deshalb wollen wir in dieser Ausgabe auf den Umgang mit der Palästinafrage in unseren Breitengraden, aber auch auf die Haltung der arabischen Staaten schauen. Eine Palästinenserin aus Gaza schildert, wie es sich nach ihrer Evakuierung anfühlt, in Paris zu leben. Wir schauen auf die wirtschaftlichen Verstrickungen der Schweiz mit Israel. Ein Gastbeitrag befasst sich kritisch mit den Handlungen der arabischen Regimes. In einer zukünftigen Ausgabe würden wir auch gerne kritischer auf das Verhalten der Akteure der sogenannten «Achse des Widerstandes» schauen und freuen uns auf Hinweise zu entsprechenden Beiträgen. Ein weiterer Artikel befasst sich damit, wie westliche Staaten palästinasolidarischen Aktivismus sanktionieren.

Natürlich wollen wir auch den Blick auf das Geschehen vor Ort nicht verlieren. Ein Beitrag befasst sich mit der immer massiveren Gewalt und Vertreibung im Westjordanland. Wir thematisieren auch die unerträgliche Situation in israelischen Gefängnissen und Militärbasen, wo Palästinenser:innen schweren Menschenrechtsverletzungen und Folter ausgesetzt sind. Israel nutzt seine Gefängnisse seit jeher zur Entrechtung und Einschüchterung. Das ordnen wir historisch ein und schauen auf die jüngsten Entwicklungen.

Hier gehts zum Heft

Palästinensische Gefangene werden nicht wie Menschen behandelt – Das israelische Haftsystem als Ergebnis von 77 Jahren rassistischer Unterdrückung

Willkürliche Verhaftungen, Administrativhaft und Folter gehören seit langem zum Arsenal der Methoden, die Israel anwendet, um die palästinensische Bevölkerung einzuschüchtern und zu terrorisieren. Das Ausmass der Brutalität und Gewalt hat sich in den letzten zwei Jahren dramatisch verschärft. Das geht aus einer Reihe von neuen Berichten hervor, die sich auf Aussagen von Betroffenen, aber auch Folterspuren an Leichen stützen, die Israel nach Gaza oder ins Westjordanland rücküberstellt hat.

Verena Rajab

Die stille Annexion des Westjordanlands

Israel profitiert von den Bildern der Zerstörung, die es im Gazastreifen geschaffen hat und die die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen, um seinen militärischen und politischen Fokus nun vermehrt auf das nur 33 Kilometer von Gaza entfernte besetzte Westjordanland sowie auf Ostjerusalem zu richten und seine Operationen dort drastisch zu intensivieren.

Lisette Imboden

Moralische Überlegenheit statt kritischem Journalismus

Kommentar zum WoZ-Beitrag von Bettina Dyttrich über die Palästina-Demo in Bern

Roman Vonwil

Von Recht und Unrecht

Anstatt Israel für seine laufenden Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen zu verurteilen und zu sanktionieren, verschärfen viele Staaten die Repression gegen Palästina-Solidaritätsarbeit. Um dieser Aushöhlung politischer Freiheiten auch auf rechtlicher Ebene
entgegenzutreten und jene zu stärken, die sich für die Grundrechte der Palästinenser:innen einsetzen, sind neue Netzwerke entstanden, die eine Brücke von der politischen zur juristischen Arbeit schlagen.

Birgit Althaler

Die arabische öffentliche Meinung zum Krieg Israels gegen Gaza

Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage in 16 arabischen Ländern von 12. September 2023 bis 5. Januar 2024 über Telefoninterviews mit 8000 Personen zu fünf Fragenblöcken.

Tariq Dana

Normalisierung der Straffreiheit und Dominanz Israels: Die Rolle arabischer Staaten

Die Operation «Al-Aqsa Flood» vom 7. Oktober 2023 verfolgte die Absicht, den bewaffneten Widerstand der Palästinenser:innen zu reaktivieren und die palästinensische Sache nach Jahren der Marginalisierung wieder ins Bewusstsein der arabischen Welt und der Weltöffentlichkeit zu rücken. Die erwartete Welle arabischer Solidarität nach der Operation blieb jedoch aus, es kam auch zu keinen konkreten politischen Veränderungen.

Tariq Dana

Profit um jeden Preis

Dass sich die sogenannte «humanitäre Tradition» der Schweiz nicht in ihren wirtschaftlichen Verstrickungen reflektiert, ist nicht neu. Von kolonialen Profiteuren bis zur finanziellen Unterstützung von Südafrikas Apartheid-Regime standen ethische Skrupel Geschäften selten im Weg. Die wirtschaftlichen Beziehungen von privaten Schweizer Akteur:innen mit Israel reihen sich in diese Tradition: Hiesige Versicherungen und Banken investieren in Unternehmen, die aus dem Genozid an den Palästinenser:innen Profit schlagen.

Jenny Schmid

Ich habe den Völkermord in Gaza überlebt, nur um mit eigenen Augen die Komplizenschaft des Westens zu erleben

Ich wurde aus Gaza evakuiert und kam nach Frankreich. Dort sehe ich den Grund dafür, warum die Welt zulässt, dass mein Volk abgeschlachtet wird.

Nour Al-Assy

STIMMEN AUS GAZA – Ist es das Ziel, dass wir verschwinden? Zum Schweigen gebracht werden? Dass wir langsam sterben?

Jedes Mal, wenn wir den Punkt erreicht haben, an dem wir denken, dass es nicht mehr schlimmer werden kann – dass wir die Grenze unserer Überlebensfähigkeit, die Grenze unseres Leidens und unserer Verzweiflung erreicht haben –, sind wir überrascht, dass diese Grenze noch weiter entfernt ist, dass auf jeden Tiefpunkt ein noch tieferer folgt. Jetzt sind der Hunger und der Durst nach Gaza zurückgekehrt.

Rita Baroud

STIMMEN AUS GAZA – Ich bin erneut vertrieben worden, aber Gaza wird nicht einfach stillschweigend vergessen werden.

Ich beginne dies zu schreiben, während ich wieder meine Sachen packe. Zum zweiten Mal seit Beginn des Krieges werde ich gewaltsam aus meinem Haus vertrieben. Dieses Mal fühlt es sich noch demütigender und beängstigender an. Denn ich weiss bereits, wie es sich anfühlt, eine Fremde zu sein, zurückgelassen zu werden und zu leiden. Ich kenne das Gefühl der Hilflosigkeit und der Ungewissheit, nicht zu wissen, was als Nächstes passieren wird.

Nour al-Assy

Die endlose Sprache der Gewalt

Der Horror der israelischen Kriegsführung nimmt kein Ende. Israel hat in den letzten Jahren massiv aufgerüstet und befindet sich aktuell in einem Vernichtungsfeldzug gegen die Palästinenser:innen. Es nutzt seine militärische Überlegenheit, um mit Zustimmung oder schweigender Duldung führender Grossmächte jeden Widerstand gegen die systematische Verletzung palästinensischer Rechte auszulöschen. Mit dem Segen und der Hilfe der USA, sekundiert von Deutschland, verfolgt Israel einen Kurs der militärischen Aggression, der den gesamten Nahen Osten destabilisiert.

Birgit Althaler

Sumoud – der alltägliche Widerstand der Menschen in Gaza in Zeiten des Völkermords

Der Olivenbaum ist nicht nur eine gewöhnliche Pflanze, er symbolisiert Widerstandsfähigkeit und Lebenswillen in der palästinensischen Kultur. Mit seinen Wurzeln, die tief in die Erde reichen, hält er sich trotz aller Widrigkeiten fest und spiegelt damit die Stärke der palästinensischen Identität und deren tiefe Verbundenheit mit dem Land wider.

Lisette Imboden

Der israelische Feldzug gegen den palästinensischen Journalismus

Mit gezielten Angriffen auf Medienschaffende und Mediengebäude im Gazastreifen hat Israel in den vergangenen Monaten eine Offensive gegen den palästinensischen Journalismus gestartet. Das hat Implikationen weit über Palästina hinaus: Die Angriffe stellen eine Bedrohung für den Journalismus generell dar.

Robin Walz

Bloodlands des Südens

US-Präsident Trump träumt von einer Kolonie in Gaza. Sein Denken fügt sich nahtlos in die kolonialen und genozidalen Narrative, die Israel in Gaza und im Libanon aufruft.

Peter Harling

Dans le miroir des guerres d’Israël

Tel-Aviv et le Hamas ont conclu un accord de trêve jusqu’à fin février. L’arrêt définitif des hostilités, le retrait de l’armée israélienne de Gaza ainsi que la libération des otages et des prisonniers feront l’objet de nouvelles négociations. Si les perspectives de paix demeurent fragiles, des enseignements doivent d’ores et déjà être tirés du conflit qui a ravagé l’enclave palestinienne.

 

Peter Harling

Selektive Empörung des Westens

In israelischen Gefängnissen finden massive Menschenrechtsverletzungen gegen Palästinenser:innen statt - unbeachtet vom Westen.

Hans-Peter Renk

Die Normalisierung von Massenmord

Viele Deutsche Medien weisen den Völkermord-Vorwurf gegen Israe kategorisch zurück– mit selektiven Zahlen und fragwürdigen Quellen.  Exemplarisch dafür: ein Beitrag von Nicholas Potter in der taz, In dem er eine Haltung vertritt, die sich der Verantwortung entziehtund  Gewalt legitimiert. Der Journalist Yossi Bartal schreibt in seinem im Jacobin Magazine erschienen Artikel gegen diesen Journalismus an.

Yossi Bartal - Jacobin Magazine 3. April 2025

Israelische Truppen sprengen die Tür eines palästinensischen Hauses. Eine junge Frau bezahlt dafür mit ihrem Leben

Der Genozid an den Palästinenser:inne schreitet auch in der Westbank voran. Lokal Mitarbeitende der israeluschen Menschenrechtsorganisation Btselem versuchen so gut wie möglich die Vertreibung zu dokumentieren und öffentlich zu machen. Eine solche Geschichte hat der Journalist Gideon Levy am 22. März 2025 in der israelischen Zeitung Haaretz veröffentlicht. Die junge Frau Rahaf Noor Shams kam beim Überfall der israelischen Armme auf das Haus ihrer Eltern um Leben. Der Beitrag kann hier in engischer Sprache gelesen werden.

Gideon Levy - Haaretz 22.März 2025

Gaza am Abgrund

Wie Israel aktuell versucht, seinen lang gehegten Plan zu Ende zu führen: die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung und die Zerstörung von deren historischer, kultureller und sozialer Identität.

Lisette Imboden

Im Schatten von Gaza: Auch Palästinenser: innen im Westjordanland leiden

Robin Walz

Der IGH stellt fest, dass BDS nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht ist

Das verbindliche Urteil des IGH zur israelischen Besatzung macht deutlich, dass Boykott, Desinvestition und Sanktionen gegen die israelische Besatzung, Kolonialisierung und Apartheid nicht nur ein moralisches Gebot, sondern auch eine rechtliche Pflicht sind.

Craig Mokhiber

Lektüreempfehlungen

Hasbara: Desinformation als «israelische Massenvernichtungswaffe»

Nachfolgend Auszüge aus einer Studie von Tariq Kenney-Shawa über Hasbara

Historisches Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs

Unis: Lokale Mobilisierungen – globale Dimension

Die israelische Aggression gegen den Gazastreifen rüttelt weltweit auch Studierende, Schüler:innen und Lehrkräfte auf. Die Liste der Länder, in denen Campus-Besetzungen und andere Formen des Protests entstanden, ist beeindruckend. Es geht dabei nicht nur um Palästina, sondern um die Verteidigung demokratischer Grundrechte generell.

Birgit Althaler

Gaza Voices

Gespräch zwischen Maha Shahwan, einer 39-jährigen Journalistin aus Gaza-Stadt, und Nour Naeem vom Projekt Gaza Voices. Das Gespräch fand am 13. April 2024 statt, zwei Wochen nach der Flucht von Maha Shahwan und ihrem Ehemann nach Ägypten.

Nour Naeem

Geschichte von Gaza

Gaza spielt seit der Antike dank seiner Lage am östlichen Mittelmeer und an der Schnittstelle zwischen Afrika, Asien und Europa eine bedeutende Rolle und erlebte im Lauf der Jahrhunderte unterschiedliche Kulturen, was sich in der heutigen Bevölkerung spiegelt. Gazas wichtiger Seehafen als Endpunkt der Weihrauchund Gewürzhandelsrouten von Jemen her, der Güterund Personenverkehr an der ehemaligen Karawanenroute zwischen Ägypten und Syrien und seine fruchtbaren Oasen garantierten eine florierende Wirtschaft und Gesellschaft.

Agnes Küng

Staatsräson in Deutschland, aber auch in der Schweiz

Die Rede von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Sicherheit Israels sei «deutsche Staatsräson», ist Doktrin und geht hin bis zur Interpretation, Deutschland müsse im Nahen Osten in den Krieg ziehen, sollte Israel militärisch angegriffen werden. Staatsräson bedeutet, nicht zum ersten Mal in der deutschen Geschichte, dass die Interessen des Staates über alle anderen Rechte gestellt werden, insbesondere über Menschenund Völkerrecht.

Hanspeter Gysin

Auf der Suche nach dem politischen und moralischen Kompass

Der Angriff palästinensischer Milizen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober stellt für Palästinenser:innen wie Israelis einen markanten Einschnitt dar, wird aber völlig unterschiedlich erlebt.

Birgit Althaler

Berichterstattung, Desinformation, Propaganda und die Rolle der Medien

Wer nach dem 7. Oktober versuchte, die Taten der palästinensischen Milizen zu kontextualisieren, war rasch mit dem Vorwurf konfrontiert, diese zu verharmlosen. Das Argument der Kritiker:innen: Es gibt keine Erklärung für die verübte Gewalt. Wer auch nur versuche, die Frage nach dem Warum für diese Taten zu stellen, legitimiere das Vorgehen. So geschah es der Philosophin Judith Butler1, die die Gewalt nicht rechtfertigte, aber forderte, sie historisch einzuordnen. Dafür wird sie massiv angefeindet.

Martina Guggenbühl

Systematische Unterdrückung im Westjordanland und in Israel

Während die tödlichen israelischen Angriffe auf den Gazastreifen ununterbrochen weitergeführt werden, leiden Palästinenser:innen in den anderen besetzten Gebieten (Westjordanland und Ostjerusalem) und in Israel unter zunehmender Repression. Ihre Unterdrückung und Diskriminierung stellt kein neues Phänomen dar: Seit Jahrzehnten leben Palästinenser:innen in den besetzten Gebieten und in Israel gemäss Menschenrechtsorganisationen und Expert:innen in einem Apartheidsystem. Seit dem 7. Oktober hat sich ihre Situation allerdings drastisch verschlechtert. In der westlichen Berichterstattung erhält dies kaum Aufmerksamkeit.

Robin Walz

«In Gaza sind Frauen die Letzten, die essen, und Kinder die Ersten, die sterben»

Das UNO-Welternährungsprogramm 1 stellt am 1. Dezember fest, dass im Süden des Gazastreifens 93 Prozent der Menschen mangelernährt sind, wobei mehr als 56 Prozent unter schwerem Hunger leiden. Pro Person stehen weniger als 2 Liter Trinkwasser pro Tag zur Verfügung. Im Norden ist die Situation noch katastrophaler.

Agnes Küng

Der Krieg gegen die Zivilbevölkerung in Zahlen

Seit dem 7. Oktober 2023 hat Israel im Gazastreifen mindestens 25 000 1 Palästinenser:innen getötet, über 60 000 wurden verletzt (Stand 23.1.2024). Mehr als 8000 Menschen werden noch vermisst – die meisten befinden sich wohl unter den Trümmern zerstörter Infrastruktur.

Robin Walz

Jenseits jeglichen Völkerrechts

Israel verstösst mit seinem Angriff auf Gaza erneut und in gravierendem Mass gegen das Völkerrecht. So viel steht fest. Aber gegen welche Bestimmungen genau? Der Versuch einer Einordnung.

Jenny Schmid

Beabsichtigte Zerstörung und Vertreibung

Der aktuelle Angriff der israelischen Armee (IDF) auf den Gazastreifen übertrifft in seiner Brutalität und Systematik alle bisherigen Kriege, die Israel gegen dieses Gebiet und die dort lebende Bevölkerung geführt hat, und im Ausmass seiner Zerstörung alles, was die Welt seit Jahrzehnten erlebt hat.

Jenny Bolliger

In Dschenin verweben sich Schicksale

Eine Nakbageschichte aus Dschenin.

Zain Assaf

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