Die arabische öffentliche Meinung zum Krieg Israels gegen Gaza

Tariq Dana

Allgemeine Einstellungen und Triebkräfte des Krieges

Als auslösender Faktor der Hamas-Operation vom 7. Oktober 2023 nannte ein Drittel die andauernde Besetzung palästinensischen Landes, gefolgt von einem Viertel, das die Verteidigung gegen Angriffe auf die al-Aqsa-Moschee als Motiv bezeichneten. Ein Vergleich zwischen Hamas und ISIS wurde von der überwältigenden Mehrheit zurückgewiesen. Unter den Faktoren, die zur Fortsetzung des Kriegs gegen den Gazastreifen beitragen, sah die Hälfte der Befragten die militärische und politische Unterstützung durch die USA als entscheidend an. Nahezu 60 Prozent hielten es für ausgeschlossen, dass Frieden mit Israel möglich sei.

Nachrichtenkonsum und Bewertung der US-Medien

Die Medienberichterstattung wurde umso intensiver verfolgt, je geografisch näher zu Palästina die Befragten leben. TV und Soziale Medien waren die wichtigsten Informationsquellen und eine überwältigende Mehrheit nahm die US-Medien als parteiisch zugunsten Israels wahr.

Einstellungen zur Rolle internationaler und regionaler Akteure

Während die Haltung der USA, Frankreichs, Deutschlands und Grossbritanniens fast einhellig als negativ bis sehr negativ beurteilt wurde, waren die Antworten in Bezug auf die Rolle Chinas und Russlands etwas nuancierter. Doch auch die Rolle Irans und der Türkei sah über die Hälfte der Befragten als eher negativ an. Als grösste Bedrohung wurden von über 50 Prozent der Befragten die USA angesehen, gefolgt von Israel mit 26 Prozent. Über die arabischen Staaten befragt, schrieben 51 Prozent Katar eine positive Rolle zu, bei allen anderen Ländern und der Palästinenserbehörde fiel die Einschätzung eher negativ aus. Als wichtigste Massnahme, die arabische Staaten ergreifen sollten, wurde ein Ende der Normalisierung mit Israel genannt.

Meinungen zur Rolle und zu den Interessen der USA

Drei Viertel aller Befragten gaben an, ihr negatives Bild der USA habe sich verschlechtert, bei einem Viertel blieb es gleich. Nur 1 Prozent sahen die Rolle der USA positiver als vorher. In allen Ländern herrschte fast vollständige Einigkeit darüber, dass von den USA nichts Positives in Bezug auf den israelischen Krieg zu erwarten sei, mit dem einzigen Ausreisser Sudan, wo «nur» 85 Prozent diesen Standpunkt vertraten. Nur knapp 14 Prozent bejahten die Meinung, die USA würden sich ernsthaft zugunsten eines palästinensischen Staats einsetzen. Nur ein Viertel war der Ansicht, die Haltung der USA würde ihren Interessen in der Region keinen Schaden zufügen, drei Viertel gingen davon aus, dass sie dem Image der USA schaden.

Veränderungen in der Einstellung zur Normalisierung und zu den Abraham-Abkommen

In allen erfassten Länder herrschte nahezu einhellig Einigkeit darüber, dass die Palästinafrage alle Araber:innen und nicht nur die Palästinenser:innen betrifft. Seit der letzten Umfrage im Jahr 2022 stieg der Anteil derjenigen, die sich gegen die Anerkennung Israels aussprechen, in Saudi-Arabien von 38 auf 68 Prozent, in Marokko von 67 auf 78 Prozent und im Sudan von 72 auf 81 Prozent. Die Mehrheit der Befragten aus Jordanien, Palästina und Ägypten, deren Regierungen Friedensabkommen mit Israel unterzeichnet haben, sowie dem Sudan und Marokko, die sich dem Prozess der Normalisierung der politischen Beziehungen angeschlossen haben, sprachen sich gegen die Anerkennung Israels durch ihre Länder aus, in Jordanien, Palästina und Ägypten nahezu einhellig.